Weniger ist mehr - unsere Hundespaziergänge sind oft zu viel des Guten

Hund auf dem Sofa

 

Vor kurzem war ich an einem Workshop mit Turid Rugaas, einer der bekanntesten Expertinnen im Bereich Hundeverhalten. Es ging darum, wie wir mit unseren Hunden spazieren gehen sollten – und vor allem darum, was wir heute häufig falsch machen. Turid führt dazu aktuell eine Studie durch, und die bisherigen Erkenntnisse sind ziemlich überraschend … Und sie könnten von grosser Bedeutung für das Wohl deines Hundes sein, ganz besonders wenn er oft gestresst, unruhig oder hyperaktiv ist.

  

1. Wir gehen zu lange spazieren

Viele Menschen glauben, Hunde brauchen möglichst viel Bewegung, um ausgelastet zu sein. Doch laut den bisherigen Ergebnissen reichen 45 Minuten bis maximal 1.5 Stunden pro Tag, aufgeteilt in 3 - 4 kurze Einheiten – je nach Rasse, Grösse, Alter und Gesundheit des Hundes. Mehr Bewegung bedeutet nicht automatisch bessere Auslastung. Oft führt es sogar zum Gegenteil: ein überdrehtes Nervensystem und ein Hund, der gar nicht mehr runterfahren kann.

 

2. Wir gehen zu schnell

Hunde haben viel kürzere Beine als wir. Trotzdem marschieren wir in unserem Tempo los – und der Hund muss hinterher. Das kostet Energie und stresst. Ein Hundespaziergang ist kein Sportprogramm. Er ist ein Erlebnisraum für den Hund. Und dafür braucht es ein Tempo, das auch seinen natürlichen Bewegungsabläufen entspricht.

 

3. Zu wenig Abwechslung

Immer dieselben Wege, immer derselbe Boden … das ist für Hunde langweilig. Wechselnde Untergründe und Gebiete fördern die Wahrnehmung, die Motorik und machen den Spaziergang spannend. Hunde erleben die Welt über ihre Nase und ihre Pfoten – und beides braucht Vielfalt.

 

4. Wir sind gehetzt – und lassen sie nicht schnüffeln

Schnüffeln ist für Hunde das, was Lesen für uns ist. Doch oft sind wir gestresst, in Gedanken oder haben es eilig. Statt dem Hund Zeit zu geben, Informationen aufzunehmen, ziehen wir ihn weiter. Dabei ist genau das Schnüffeln die wichtigste Form der mentalen Auslastung.

  

5. Welpen werden massiv überfordert

Gerade junge Hunde brauchen Zeit, um Eindrücke zu verarbeiten. Sie brauchen viel Ruhe, nicht stundenlange Spaziergänge. Ihr Körper und ihr Nervensystem sind noch im Aufbau. Zu viel Bewegung führt schnell zu Überforderung – mit langfristigen Folgen.

 

Die folgen sind ernst- und häufig sichtbar

Durch unser „gut gemeintes“ Verhalten entstehen Hunde, die

  • gestresst sind,

  • nicht mehr runterfahren können,

  • ich nenne sie gerne ADHS-Hunde,

  • Verspannungen entwickeln,

  • oder sogar Rücken- und Gelenkschmerzen bekommen.

Viele dieser Themen beginnen leise – und werden über Monate oder Jahre chronisch.

 

Weniger ist mehr – auch beim Hundespaziergang

Wenn wir lernen, langsamer, kürzer, abwechslungsreicher und achtsamer spazieren zu gehen, verändern wir nicht nur den Spaziergang selbst, sondern das ganze Wohlbefinden unseres Hundes - und auch das unsere. Ein entspannter Hund, der die Welt in seinem Tempo entdecken darf, ist ausgeglichener, gesünder und viel mehr bei sich. Und du darfst gespannt sein, wie sehr das auch deinen eigenen Alltag verändert, hin zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit.

 

Manchmal ist es eben nicht die Menge, die zählt – sondern die Qualität.

 

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